Stellungnahme von pro-Test.net über die Bundestagsdebatte
zum Thema Vaterschaftstests am Freitag, den 11.03. im deutschen
Bundestag auf Antrag der Abgeordneten Laurischk, Funke, Homburger
u.a. und der Fraktion der FDP
Man muss es immer wieder wiederholen, da sich einige Politiker
doch erstaunlich erkenntnisresistent zeigen: Es geht um das Recht
des Mannes UND des Kindes auf Wissen um die eigene Vaterschaft
oder Abstammung. Von einem Recht des Kindes, auf Verheimlichung
seiner Abstammung zu seinem Wohl wissen wir nichts. Gleichwohl
können wir uns erinnern, dass vor vielen Jahren noch davon
gesprochen wurde, dass ein Arzt seinem Patienten den Ernst der
Erkrankung verheimlichen dürfe, wenn er es für das "Wohl
des Patienten" hält. Inzwischen streitet niemand mehr
die Tatsache ab, dass die Wahrheit für den Patienten immer
noch das Wichtigste ist und er reif genug dafür ist, sich
anschließend darauf einstellen zu können. Erfahrungen
mit Adoptivkindern weisen darauf hin, dass dies auch für
die Frage der Abstammung gilt und dass es wichtig ist, Kinder
so früh wie möglich auf ihren Status als Adoptivkind
hinzuweisen und - falls dies nicht geschehen ist - dies so schnell
wie möglich nachzuholen, dann aber vielleicht mit professioneller
Hilfe. Damit ist eine auf Wahrheit gegründete Basis für
die Familie geschaffen, in der sich das Kind gesund entwickeln
kann.
Bedenkt man dies, ist es auch leichter, die Thematik "Vaterschaftstests"
besser einzuordnen. Z.B. erhebt sich dann die Frage, wozu ein
"Verfahrenspfleger" dienen soll? Ein Verheimlichen der
Abstammung wäre dann die große Ausnahme und würde
keinen Verfahrenspfleger rechtfertigen - wohl aber eine Beratung
für betroffene Männer, Frauen und Kinder! Einen Gedanken,
den wir absolut begrüßen, wenn er
1) als Angebot bereitsteht und nicht den Charakter einer Zwangsberatung
trägt und
2) wenn die Beratung von einem männlichen Berater geleistet
wird, da es um meist männliche Klienten geht, bzw. ein männlicher
Berater sich besser in die Bedeutung der Thematik einfühlen
kann.
Durch die Diskussion wird eines klar: Der Wert eines Vaters wird
nach wie vor an seinem Versorgungspotential gemessen. Jedoch,
die soziale Vaterschaft ist tatsächlich sehr wichtig und
mehr als eine bloße Versorgung und viele Stiefväter
leisten hier erstklassige "Arbeit". Aber gerade diese
Väter wissen auch, wie wichtig die leibliche Abstammung für
das Kind ist und versuchen - im (nicht seltenen) Idealfall - dem
Kind den Kontakt zum Vater zu ermöglichen. Käme es auf
die leibliche Vaterschaft überhaupt nicht an, dann kommt
es auch auf die leibliche Mutterschaft nicht an. Dann wäre
es aber gerechter, die geborenen Kinder wöchentlich in der
Tombola zu verlosen. Dann sind wenigsten alle gleichermaßen
benachteiligt.
Frau Schewe-Gerigk (B90/Die Grünen) spricht von Vätern,
die keinen Unterhalt zahlen und dass dies den Staat belastet.
Sie verschweigt, dass ein Großteil dieser Väter gar
nicht zahlen kann (z.B. durch Arbeitslosigkeit, schlechtem Verdienst
oder Steuerklasse 1) und dass ein Großteil der Mütter,
die Unterhalt zahlen müssten, auch nicht zahlt - und zwar
erheblich mehr, als es Väter nicht tun. Immerhin offenbart
sie so ihr Männer- und Väterbild und wir wissen jetzt,
wieso solche Gesetzesvorschläge überhaupt erst entstehen.
Das ist schade, denn man hat aus Ihrer Partei auch schon vernünftigere
Stimmen gehört.
Beipflichten möchten wir Frau Laurischk (FDP): Es muss ein
anerkanntes Recht von Männern sein, ihre Vaterschaft zu klären.
Die Beziehung zum Kind muss auf Wahrheit und nicht auf Mutmaßungen
gegründet sein. Eine Bestrafung von heimlichen Tests ist
abzulehnen.
Jedoch sehen wir keinen Sinn nur die gerichtlichen Tests zu erleichtern.
Die Kosten für diese Tests sind zu hoch - darauf weist Frau
Zypries zurecht hin. Die Verfahren zu langwierig und für
die Beziehung zu belastend. Unserer Meinung nach geht es eher
darum, die privaten Tests an bestimmte Regeln zu binden, anstatt
die gerichtlichen Tests zu fördern. Erst wenn der private
Test eine Vaterschaft ausschließt, soll die Hürde für
den gerichtlichen Test gesenkt werden. Mit hohen Kosten für
die gerichtlichen Tests, Verfahrenspfleger und Beratungspflicht
anstelle von Beratungsangebot, wird es nicht gelingen, heimliche
Tests zu verhindern. Das ganze Angebot wird erst genützt
werden, wenn der vorherige heimliche Test die Sinnhaftigkeit begründet.
Auch hier weist Frau Zypries zurecht darauf hin, dass der hohe
Aufwand in den meisten Fällen ergibt, dass der mutmaßliche
Vater wirklich der Vater ist. Ihre Aussage, der Vaterschaftstest
wäre damit "sinnlos" gewesen, weil er die Vaterschaft
bestätigte, zeigt aber, dass sie den Sinn der Vaterschaftstests
nicht verstanden hat. Es geht nicht darum zu beweisen, dass man
nicht der Vater ist, sondern in Erfahrung zu bringen, ob man der
Vater ist. Somit ist ein Vaterschaftstests immer sinnvoll.
Die Erkenntnis, dass nach einer Möglichkeit gesucht werden
muss, die die Beziehungen am wenigsten belastet (auch während
einer Scheidung) und dass diese Möglichkeit oft in einem
heimlichen Test besteht, fand sich glücklicherweise dann
bei Herrn Gehb (CDU/CSU). Dem Ziel, welches Herr Gehb formuliert,
dass die Bedingungen für heimliche Test so formuliert werden
müssen, dass es für betroffene Männer und Frauen
nicht nötig ist, ins benachbarte oder fernere Ausland gehen
zu müssen, möchten wir uns anschließen.
Interessant finden wir in diesem Zusammenhang auch den Vorschlag
von Herrn Strässer (SPD) über zwei Stufen beim Vaterschaftstest:
Ein Anspruch auf Durchführung eines privaten Tests und eine
Erleichterung beim gerichtlichen Test. Abzulehnen ist eine Informationspflicht
der Mutter (oder des mutmaßlichen Vaters, wenn der Test
von der Mutter gemacht wird) gegenüber. Trotzdem braucht
es Sicherheit, dass der Test nicht von irgend jemanden gemacht
wird.
Zusammenfassung:
Letztendlich möchten wir noch anmerken, dass die Zeiten,
in denen die Vaterschaft nur vermutet werden konnte, vorbei sind.
Früher gab es keinen anderen Weg, als den Ehemann auch zum
Vater zu erklären. Heute ist es möglich, die Vaterschaftsfeststellung
auf sicherere Füße zu stellen. Es wäre mehr als
eine Überlegung wert, ob es nicht besser wäre, die Vaterschaft
gleich nach der Geburt testen zu lassen - als eine der vielen
Untersuchungen, die bei einem Kind gemacht werden, wenn es geboren
ist. Dies würde eine auf Wahrheit gegründete Beziehung
zum Kind, auch für Männer möglich machen.
Wolfgang Wenger
Dipl.Soz-päd. (FH)
Im Namen von:
www.pro-Test.net - Das Netzwerk pro Vaterschaftstests
www.majuze.de - Männer- und Jungenzentrale in Rosenheim
Fachressort "Vaterschaftstests" beim "Väteraufbruch
für Kinder e.V." www.vafk.de und Ortsgruppe Augsburg/Schwaben
www.MANNdat.de - Geschlechterpolitische Initiative
Dr. Berndt Goossens u.a.