Kölner Schüler wollen den heimlichen Vaterschaftstest

von Kathrin Becker

Das Projekt CheckBiotec hatte ins Georg-Büchner-Gymnasium zur Debatte mit dem Titel „Sollen heimliche Vaterschaftstests verboten werden?“ geladen. Ein heikles Thema, denn der Gesetzgeber will in Kürze entscheiden, ob der heimliche Vaterschaftstest in Zukunft verboten oder ganz offiziell erlaubt werden soll.

Rund 110 Schüler und Schülerinnen waren gekommen – nicht ganz freiwillig, sondern auf Anordnung der Schulleitung. Entsprechend mürrisch schlurften sie in das Musikzimmer, in dem die Veranstaltung stattfand.

Simone Matthaei, Projektleiterin bei CheckBiotec und die Direktorin der Schule, Beatrix Görtner, begrüßten die zumeist 17- und 18-jährigen Schüler und Schülerinnen. „Ich will, dass ihr euch Gedanken macht über die Biotechnologie, denn sie wird euer Leben grundlegend verändern,“ sagte Projektleiterin Matthaei über die Ziele von CheckBiotec. „Bildet euch eine eigene Meinung und überlasst das Feld nicht den Experten.“

Kilian Bauer aus der Jahrgangsstufe elf machte als Moderator der Debatte seine Mitschüler darauf aufmerksam, dass vor der eigentlichen Diskussion noch ein Fragebogen auszufüllen sei, in dem Wissenstand und Meinungen zum Thema heimliche Vaterschaftstest abgefragt wurden. „Den füllt ihr jetzt mal aus, ohne jegliches Vorwissen. Das kennt ihr ja auch sonst nicht anders.“ Mit dieser frechen Bemerkung hatte er die ersten Lacher auf seiner Seite.

Weitere folgten als Bauer einen Chapeau-Claque, einen aufklappbaren Zylinder, hervorzauberte und mit der Verlosung der „Rollen“ begann. Denn das Debattierteam sollte sich ganz an den Regeln orientieren, die in den englischen Debatten-Clubs herrschen. „Pro- und Contra-Positionen werden per Los zugeordnet. Die eigene Meinung zählt nicht,“ erklärte Kilian die Spielregeln. „Wichtig ist, dass man die zugewiesene Meinung bestmöglich vertritt.“

Doch das schockte weder Armin Lutz noch Ralph Birk, die für den heimlichen Vaterschaftstest zu argumentieren hatten. Auch Charlotte Hammer und Christoph Diener auf der Gegenseite kannten die Regeln. Schließlich hatten alle vier im vergangenen Jahr an der bundesweiten Veranstaltung „Jugend debattiert“ teilgenommen.

Bevor sich die vier in die Diskussion stürzen konnten, spielte Regisseur Stephan Winkler, der eine Dokumentation über das Projekt CheckBiotec dreht, einen kurzen Film ein, in dem die Kandidaten jeweils aus der Sicht eines anderer Debatierteam-Mitglieds vorgestellt wurden. Nachdem Armin als Jungpolitiker präsentiert worden war, der auch gerne einmal über die Strenge schlägt, Christoph die Gelegenheit beim Schopf gepackt hatte, um sich als Single zu outen und Ralph Charlotte als unkalkulierbare Angstgegnerin bezeichnet hatte, war das Eis beim Publikum endgültig gebrochen.

Dann aber ging´s los. Während Ralph und Armin beharrlich auf das Recht eines Mannes pochten, sich Gewissheit über seine biologische Vaterschaft zu verschaffen, rief Charlotte ein ums andere Mal dazu auf, auch an das Kind zu denken. „So ein Test kann eine bis dahin intakte Familie zerstören“, meinte sie. „Was meinst Du, was das für ein Kind bedeutet, wenn es erfährt, dass der Mann, der zehn, zwölf Jahre sein Vater war, das nun auf einmal nicht mehr ist.“

Doch das wollte Ralph so nicht gelten lassen. „Der Mann kann doch gar keine wirkliche emotionale Vater-Kind-Beziehung aufbauen, wenn er daran zweifelt, ob er der Vater ist“, meinte er. „Eine Familie, in der es solche Zweifel gibt, ist nicht intakt.“

In diesem Fall könne ein Mann aber auch den gesetzlichen Weg über eine gerichtliche Feststellung der Vaterschaft wählen, gab Christoph zu bedenken. Doch Armin meinte, das sei für alle Beteiligten eine viel größere Belastung als wenn der Mann die Vaterschaftsfrage still und heimlich klären würde. „Und wenn der Test positiv ausfällt, braucht er ja nicht mal was zu sagen“, meinte er. „Dann hat der Mann seine Zweifel beseitigt ohne den Familienfrieden zu stören.“

Charlotte hielt dem entgegen, dass es neben dem Familienfrieden ja auch um das Recht des Kindes auf informationelle Selbstbestimmung ging. „Wie willst Du denn sicher stellen, dass mit dem genetischen Material des Kindes kein Missbrauch getrieben wird?“, wollte sie wissen. Eine Frage, die Ralph mit der Bemerkung „Dafür muss halt der Staat sorgen“ vom Tisch wischte.

Am Schluss fragte Kilian die Kontrahenten nach ihrer „echten“ Meinung. Dabei stellte sich heraus, dass alle den heimlichen Vaterschafstest befürworteten. Die gleiche Frage wurde ans Publikum gerichtet. Das Ergebnis war eindeutig: Die meisten Arme hoben sich für die Erlaubnis heimlicher Vaterschaftstests.

Am Schluss gab es tosenden Applaus für die Veranstaltung. (20.12.2005)

 

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